Kampf der Giganten

Text: GerT, Fotos: nightona.de (Tanja)

Unglaubliche Szenen spielten sich beim Rennstreckentraining am Anneau du Rhin im Zuge der SDS2005 ab. Wahre Beifallstürme der Zuschauer an der Boxenmauer löste die funkensprühende Rocket III bei jedem Umlauf aus. Doch eins nach dem anderen ...

Volker und ich hatten gerade erst unsere Bikes verkauft. Volker seine Yamaha R1, ich die Triumph Speed Triple. Von unseren Händlern konnten wir zu dem SDS Treffen zwei ganz unterschiedliche Triumph ausleihen. Und Dank der Führsprache von SDS Chef Hansjörg und dem Einsehen der Veranstalterin Heidi Dannhoff konnten Volker und ich doch noch gemeinsam auf die Strecke gehen. Und der Showdown der Giganten nahm seinen Lauf.

Volker
GerT

Wie würde es ausgehen wenn der schwerste Fahrer mit der leistungsschwächsten, aber handlichsten aller anwesenden Triumph, der Triumph Thruxton 900 auf einen versierten und engagierten Fahrer, mit der hubraum- und drehmomentstärksten aller jemals gebauten Serienbikes, der Triumph Rocket III trifft. Gefahren auf einer Strecke die vorallem durch enge und viele Kurven glänzt. Nicht gerade das ideale Terain für die geringe Schräglagenfreiheit der Rocket III.

Volker hat die technische Abnahme (Lärmmessung) schon hinter sich, während ich mich versteckt zum Fahrerlagerausgang bewege, dem Ort der Messung

Kein Problem, das sanfte Pötteln der kleinen und das sonore Brummeln des Schlachtschiffs bringen den Zeiger des Meßinstruments kaum zum zittern. Und nach einigen weiteren Minute des gespannten Wartens geht es endlich los.

Gemütlich lasse ich es angehen, es ist schon mehrere Jahre her seit ich das letzte mal hier auf dem Rheinring war. Durch die Schikane und die beiden 180° Kurven geht es vorsichtig, es gilt die Blickpunktmarkierungen zu finden und sich an die Thruxton zu gewöhnen. Neutral läßt sich der klassische Café Racer umlegen, das Kurvengeschlängel nach der zweiten 180° ist sehr einfach zu fahren. Dann kommt der am weitesten entfernte Punkt der Strecke, eine weitere 180° rechts, aus der man sich , optimal beschleunigend, auf das geradeste Stück der Strecke katapultiert. Wrummm, .... Volker und der Rest der Gruppe ziehen rechts an mir vorbei, während ich die nächsten 5 Gänge nach dem 5. vergebens suche. Es kommt der leichte Rechtsknick, den man noch voll nehmen kann, bevor es in die sich gefährlich zuziehende Fahrerlagerkurve geht. Peinlich wer hier zu spät merkt das er viel zu schnell ist und im Kies landet. Vorsichtig bremse ich die Kurve schon früh an. Viel zu früh für die einfach zu handelnde Thruxton.


Auch die Schikane, die mir mit der Speed Triple beim letzten mal solche Probleme bereitete ist mit der Thruxton eigentlich keine mehr, sondern zwei flüssig zu fahrende Wechselkurven.


Streckenbild von Anneau-du-rhin.com

Nach der zweiten Runde gewinne ich langsam zutrauen zu der Thruxton, und es geht schon deutlich schneller durch die Kurven. Am Ende des Geschlängels sehe ich auch schon wieder Volker, wie er, Schwerstarbeit verrichtend, die Rocket durch das Kurvengewühl treibt.

Doch am Ende der hinteren 180° wieder die Ernüchterung, Volker zieht mir dank des gigatnischen Drehmoments der Rocket auf und davon.
Doch in dem nächsten Kurvenabschnitt gelingt es mir den Abstand zu verringern und bis auf 10 Meter heranzukommen. Aber wie in der Runde zuvor ist gegen der Urgewalt der Rocket noch nichts auszurichten. Am Ende der 180° zieht Volker das Gas auf und wie vom Katapult losgelassen schiebt die "Dicke" davon.

Doch diesmal bleibt er in Sichtweite und in der Fahrerlagerkurve kann ich aufschließen. In der Schikane hänge ich ihm zum ersten Mal im Genick, in der kurzen Geraden vor der ersten 180°- Links zieht Volker mit der Rocket wieder davon, doch in der Kurve setzt alles auf und durch das hohe Kampfgewicht zieht es die Rocket nach aussen. Keck ziehe ich die Thruxton weiter nach innen. Zum ersten Mal ist mein Vorderrad vor der Rocket. Aber nur kurz. Volker nutzt die Urgewalten der 2,3l Hubraum und setzt sich wieder vor mich. In der folgenden 180° rechts ist er innen, ein vorbeikommen unmöglich.

Im folgenden Geschlängel klebe ich an seinem Hinterrad, was hier mit der Thruxton ein Kinderspiel ist, bedeutet größte Kraftanstrengungen für Volker. Doch ist die Ideallinie zu eng, an ein Vorbeikommen nicht zu denken. Die Bremszone der hinteren 180°-Rechts fliegt auf uns zu. Volker hält die Rocket zu Beginn der 180° Kurve so gut es geht innen. Also gehe ich die Kurve spitz an und ziehe die Thruxton hinter Volker in dem Moment nach innen als ihn die Fliehkräfte wieder nach aussen drücken. Bingo, die Bahn ist frei und ich kann mich am Kurvenausgang innen vor Volker setzen.
Doch die Freude währt nur kurz, nach ein , zwei Sekunden hat mich die Rocket wieder eingeholt und setzt sich wieder vor mich.

Doch diesmal ist alles knapper. Während Volker schon beim rechtsnick vom Gas muß kann ich noch voll am Gas bleiben, knicke nur leicht nach rechts ab und bin Ausgangs der Fahrerlagerkurve schon wieder an Volkers Hinterrad. Volker muß durch die geringe Schräglagenfreiheit immer weite Radien fahren, während auf der Thruxton die Radienwahl nahezu spielerisch ist und jederzeit korrigiert werden kann. Also lege ich mir meinen Plan für die Schkane zurecht. Während Volker die erste Kurve nach der Streckeneinfahrt von weit aussen anfahren muß, wähle ich eine weiter innen liegende Linie, damit ich in dem folgenden Linksknick dieser Schikane innen bleiben kann und auch in der darauffolgenden 180° links innen bin.

Die Rechnung geht auf. Wie in den Runden zuvor muß Volker mit der Rocket weite Bögen fahren. Am Ende der Schikane sind wir gleichauf, Volker aussen, ich innen.
Die Minigerade bietet Volker einen kleinen Vorteil, doch er muß die 180° Links aussen bleiben, während ich mich innen durchschlängeln kann und am Ende der Kehre vor ihm auf der gleichen Linie bin.
Doch so leicht ist Volker nicht zu knacken. Ehe ich es mir versehe hat er mich links eingeholt und passiert.
Auf gleicher Höhe biegen wir in die 180° rechts ein.

"Fahrende Streckenblockade" schießt es mir durch den Kopf, Volker aussen und ich innen, da kommt keiner mehr vorbei, .....

Doch diese 180° rechts gehört nun mir, ich kann innen bleiben und zum ersten Mal auch im folgenden Geschlängel bleibe ich vor Volker. Und kann mich sogar soweit absetzen das er mich auf der einzigen Geraden des Kurses zwar noch einholen kann, wie ich aus den Augenwinkeln bemerke, doch durch die Fahrerlagerkurve hindurch kann ich mich wieder absetzen.

Durch die folgenden Kurven hindurch gewinnt die Thruxton den entscheidenden Vorsprung. In der nächsten Runde gelingt es der Rocket nicht mehr aufzuschließen.

Es ist vollbracht.

Noch einmal lasse ich die Thruxton fliegen, jeuh macht das Spaß.

In der ersten 180° Links, fliegt etwas rotes irrsinnig schnell, innen an mir vorbei. Ich sehe noch kurz das Heck der Ducati von Carlos, dann ist er weg. Auf und davon. Yep. Das war ein richtiger Racer.

Trotzdem.

Der ungleiche Fight über 4-5 Runden mit Volker gehört zu dem Schönsten das ich in den 17 Jahren, in denen ich Mortorrad fahre, erlebt habe. Und ob die Revancherunde, dann wohl auf BMW1200R und Speed Triple 1050 ausgetragen, auch so erfolgreich für mich verlaufen wird bezweifel ich sehr. Aber mal sehen, vielleicht gelingt es mir ja wenigstens weniger als zweimal pro Turn überrundet zu werden ;-)


Fahrbericht und Daten zur Triumph Thruxton 900

Fahrbericht und Daten zur Triumph Rocket III

Weitere Bilder des Anneau du Rhin Trainings von nightona (Tanja und Volker),
weitere Bilders des SDS Treffens von Psycho,
mehr Bilder des SDS Treffens
von sdo

Weitere Trainigstermine am Anneau du Rhin mit Veranstalterin Heidi Dannhoff

Diskussion zu dem Trainingstag und den SDS im T5net forum

GerT - 06.06.2005