Triumph Rocket III

Blitz und Donner, schwere tiefschwarze Wolken, urweltliches Gebrüll von Giganten.
Der Ring in dem sich die Titanen maßen, erleuchtet von einem einzelnen Sonnenstrahl,
untermalt von Wagners Epos "Götterdämmerung" steht sie da, triumphierend über alle
Mitstreiter, hält sie Einzug in die heiligen Hallen der legendären Bikes.

Alle bisher gezeigten Bilder, alle genannten Superlative werden ihr nicht gerecht.

Du mußt diese einzigartige Präsenz am eigenen Leib gespürt haben um dieses unbändige,
sprachlose Staunen nachzuvollziehen das jeden befällt der die Triumph Rocket III zum ersten Mal live sieht.

Sie ist lang, der 25 Liter Tank ausladen, der Sitz wohlwollend geformt, die Schutzbleche wölben sich perfekt
um die gigantischen Reifendimensionen, der größten Serienbereifung der Welt.
Weit spannt sich der Lenker in Richtung Fahrer, die Fußrasten liegen weit vorne, bringen den Piloten in die überaus bequeme Sitzposition eines Fernsehsessels, macht dich bereit für einen unvegeßlichen Film über
ein niemals endendes Asphaltband.
Du magst Road Movies? Mit der Rocket III kannst du dein eigenes Road Movie sein.

XXXL Bike für große Jungs

Rocket3 endlich das BigBike für BigBoys ;-)

Mit der Rocket3 bekommt der Begriff Powercruising eine neue Bedeutung

Beide Fotos ©Frank Ratering

 

 

Und schließlich fällt der Blick auf die Zylinderbank.

Längs eingebaut türmen sich die 3 Zylinder mit den mächtigen 2300ccm vor dir auf,
versprechen mit dir das himmlische Lied der gesegneten Beschleunigung zu singen, nicht nur einmal,
nein mein Freund,
aus jeder einzelnen Kurve heraus wenn du nur möchtest.

Die Sitzposition gleicht der Bonneville America, mit 740 mm ist die Rocket lediglich 20mm höher.
Noch vor dem Lenker liegt das Zündschloß. Du mußt dich weit nach vorne Recken um die Gewalten startklar zu machen. Ein ehrfürchtiger Akt werden dir doch nachdrücklich die gigantischen Dimensionen bewußt.

Mit dem Dreh des Schlüssels schwingen die Anzeigen nach rechts und die Kontrollampen leuchten auch in gleißender Mittagssonne hell genug um dir ihr OK anzuzeigen.

Ein Druck auf den Starter und sofort nehmen die 101,6mm großen Kolben ihre Arbeit auf, gleiten 94,3mm hinauf um von einer gewaltigen Explosion, gezündet von einem eigens entwickeltem Motormangement, das nicht nur die üblichen Sensoren des gesamten Motors, sondern die Daten jedes einzelnen Zylinders überwacht und optimiert, wieder in die tiefen des Motorgehäuses katapultiert zu werden.

Zusammen mit Keihin wurde ein Doppeldrosselklappensystem entwickelt mit dem softwaretechnisch , über die teilweise Schließung der ersten Klappe, sogar die Drosslung auf 98PS möglich ist. In den ersten drei Gängen wird dieses System benutzt um 7% der Leistung zu kappen, denn die Wucht der 200Nm Drehmoment wären in den kurzen Übersetzungen schlichtweg zu viel des Guten. Und so obliegt es dem 4. und 5. Gang dir mit der vollen Gewalt die Arme lang zu ziehen, und dich mit unglaublichen Schub aus den Kurven zu feuern.



Beim Gasgaben passiert noch etwas eigenwilliges, der rechte Zeiger des Drehzahlmessers scheint sich im Zeitlupentempo zu bewegen, während der Tacho im Zeitraffer die Geschwindigkeitsskala durcheilt.
So muß sich Warpgeschwindigkeit anfühlen.

©Frank Ratering

20 Jahre lang rühmte sich Yamahs Vmax ein Machobike zu sein, das nur von echten Männern gezügelt werden kann.
Wenn es überhaupt ein Bike gibt das aus dir einen Mann machen kann dann ist es die Triumph Rocket III, der
Antwort Britanniens auf ein glattgebügeltes 21. Jahrhundert.

Doch die Rocket III überrascht auch mit ihrer ungeahnten Leichtgängigkeit.

Das fängt beim Einkuppeln an.
Würde nicht aus den Tiefen des Getriebes ein sattes, zufriedenes Klong von der erfolgreich beendeten Aktion des Gangeinlegens künden, man könnte Glauben der Kupplungszug sei gar nicht mit dem Ausrücker verbunden.
Leicht die Kupplung kommen lassen und schon zieht die Rocket an, bei nahezu Leerlauf zunächst noch unspektakulär und fein auf die Befehle der Gashand reagierend werden die Räder in Rotation versetzt.
Nicht alles dreht sichin die gleiche Richtung. Um das Moment der 17,5kg schweren Kurbelwelle auszugleichen
drehen sich alle anderen Räder, Getriebe und Kardan in die andere Richtung. Das gelingt so gut, das es im Fahrbetrieb überhaupt nicht, und im Stand nur bei provozierten Gasstößen im Leerlauf auffällt das sich die Rocket im Gleichklang zu der Bewegung am rechten Griff sanft ein klein wenig zur Seite neigt.

Und setzte sich mit der größte Überraschung fort. Eine unglaubliche Erfahrung, wie leicht sich 350kg handeln lassen wenn sich Mensch und Maschine in Bewegung gesetzt haben.
Dank der Trockensumpfschmierung lies sich der Motor so tief verbauen das er für die Beharrungsmomente bei Wechselkurven keine Rolle spielt. Eine beinahe halb so schwere Speed Triple erfordert einen höheren Krafteinsatz um sie von einer sie von einer Seite auf die andere zu legen.
Auch der Wendekreis ist für ein Bigbike mit 2,5 m Länge und einem Radstand von 1690mm extrem klein.
Wer den Lenkanschlag einer Speed Triple oder Daytona gewohnt ist wird verwundert feststellen das sich der Lenker immer noch ein gutes Stück weiter einschlagen läßt.

©Hüby, Frank Ratering

Der Vergleich des Auspuffsounds mit einem Porsche der seeligen 70er Jahre trifft auch hier, nur ist er jetzt
wohltemperiert füllig und wird auch bei höheren Drehzahlen zwar etwas rauhbauziger, bleibt aber stets in einer tiefen Baßlage. Alles mit ABE und Dank geregeltem KAT und einer niedrigen Verdichtung sogar bereits konform zu der niegelnagelneuen EURO-3 Abgasnorm.

Rocket Movie 1 (5 MByte)

Rocket Movie 2 (2,3 MByte)

 

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Ist die Rocket III nun eine Speed Triple mit apokalyptisch viel Druck?
Nein.
Das Terrain auf dem sich die Rocket am wohlsten fühlt sind geschwungene Landstraßen, ob nun in gemütlichen Cruisertempo im 5. Gang bei nahezu Leerlaufdrehzahl, oder fordernder und engagiert im 4., beides macht einen heiden Spaß, und wird so manchen Super-/Ultra-/Extremesportler zur Verzweiflung bringen und in den Wahnsinn treiben.
Bei zwei Punkten sticht die Triumph T5 Generation die Rocket jedoch aus.
Bremsen und Schräglagenfreiheit.

Beim Bremsen macht sich die die robuste Bauart bemerkbar.
Zwar fangen die beiden Daytonabremsanlagen vorne, und eine extrem wirkungsvolle 316mm Scheibenbremsanlage hinten die Rocket III stets sicher, und für Cruiser ungewohnt präzise, ein,
doch wer die bissigeren Anlagen der aktuellen Sportlergeneration schätzen gelernt hat, vermisst die punktgenaue Klarheit an der Rocket.

Beinahe schon erwartungsgemäß setzen bei forsch genommenen, engen Kurvenradien die Fußrasten auf.
Schnelle Rockettreiber wird man bald an den fehlenden "Schräglagenindikatoren" erkennen.


Speziell im engeren Winkelwerk und kleinen Kreisverkehrradien ruft einen das kratzende Geräusch
in Erinnerung zurück, das hier doch ein sportlicher Cruiser und nicht ein gemütlicher Sportler die Basis ist.

Doch es muß nicht immer im gemütlichen Bummeltempo gehen.

Mick, gewohnt mit überschwenglicher Leistung umzugehen (NOSferatu, Turbo-Busas, unzählige Fighter, ...), bei seiner eigenen Interpretation der "Leichtigkeit des Sein's":

Ein F1- Weltmeister kann nicht irren: "Vor dem Start erstmal eine Lage Gummi legen"

 

"I belive I can fly" - Hüby kurz vorm abheben

©beide Fotos Hüby/ Frank Ratering

Danke an Mick Hüby von Fighters, der mit einer großen Portion Unverfrorenheit, viel Geschick und reichlich Erfahrung nachdrücklich beweist das es keines Stuntweltmeisters bedarf um die Rocket zu wheelen.
Und auch hier gilt, "Nicht zu Hause nachmachen Kinders!" Kunststück, oder habt ihr daheim so viel Auslauf in der Garage? ;-p

"The toys they´re playing with, divides the boys from men" - Triumph Rocket III ist die ultimative Antwort.

 

Eine Speed Triple mit halb so viel Hubraum aber auch nur annähernd dem halben Gewicht wie die Rocket, ich glaube Triumph könnte mich damit sehr, sehr glücklich machen. Denn noch bin ich ein kleiner Junge der ganz
genau weiß was er sich als neues Spielzeug zur Intermot 2004 wünscht ;-)


GerT - 01./04.08.2004
©Bilder Triumph, wenn nicht anders angegeben.



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