| Am 22. und 23. August war Patrick Keller zusammen mit Coni Rieser, Stefan Knoll und seinem Bruder Marcel als Mechaniker in Oschersleben zum Training bei Pro Speed. Leider war das Wetter alles andere als schön. Mit dem üblichen Regen wie man es schon von Hockenheim und Brünn gewohnt war, herrschten aber schon normale Bedingungen. Dafür hatten wir dank dem Wohnmobil von Stefan und Coni eine ideale Unterkunft mit reichlich Verpflegung. Der punktemässig Führende der T500 Challenge, Stefan Druschel, war zufällig auch zum gleichen Zeitpunkt in Oschersleben. Er konnte Patrick wertvolle Tips für diese Strecke geben, was er in den zwei Rennen auch umsetzen konnte. Im Sprintrennen belegte Patrick bei den Hyperbikes (keine Hubraum- und Leistungslimits) den zweiten Platz. Beim anschliessenden 20-Runden Rennen im Regen belegte er noch den sechsten Platz mit normalen Strassenreifen gegen regenreifenbewaffnete Mitstreiter. | ![]() |
| Am 5. und 6. September war es dann endlich soweit. In Oschersleben fanden die letzten zwei Läufe zur T500 Euro-Cup Meisterschaft statt. Für diese Rennen konnte Patrick erfreulicherweise Oliver Badertscher (besser bekannt als Flaschi) davon überzeugen, seine Suzuki bei der Klasse Street SAM einzusetzen. Zur Erinnerung; die SAM Klasse darf mit allen seriennahen japanischen Motorrädern bestritten werden. Als Mechaniker hatten wir Marcel Keller dabei und um das leibliche Wohl war Diana Lienhard, die Freundin von Patrick besorgt. | |
| Am Freitagmorgen um 7.45 Uhr setzte sich der kleiner Tross mit Wohnwagen, Geländewagen als Zugfahrzeug sowie altbewährtem Renault Traffic in Bewegung. Nachdem wir vor zwei Wochen für die Bewältigung der lächerlichen 650 km sage und schreibe 11 Stunden benötigten, probierten wir die dritte Wegvariante über Braunschweig, Wolfsburg nach Oschersleben aus. Obwohl die Strecke mit ca. 750 km, länger war als bisher, benötigten wir „nur“ noch 10 Stunden. | ![]() |
| Am Samstag war es dann - wie es sich für englische Motorräder gehört - kalt, feucht und regnerisch. Während drei Stunden durften am Morgen maximal 50 Fahrer aller Klassen zum Trainieren auf die Strecke. Auf 11.00 Uhr war dann schon das Zeittrainig für die Triumph-Treiber angesagt. Da Patrick die Strecke schon kannte und die Motorradeinstellungen optimal waren, konnte er auch den dritten Startplatz für das Rennen belegen. In bester Stimmung für das Rennen konnte unser T5-Treiber diese Position nach einem guten Start auch bis ins Ziel bringen. Zeitweise war Patrick sogar auf dem zweiten Platz vor dem Leader Stefan Druschel unterwegs, welcher natürlich um jeden Preis möglichst weit vorne liegen wollte, um seinen Punktestand nicht zu gefährden. Nach den Sturzerfahrungen in Brünn wählte Patrick in der Mitte des Rennens dann zum Glück lieber den sicheren dritten Platz. Hinter dem vorderen Dreierpulk klaffte nämlich eine Lücke von über acht Sekunden zum Viertplazierten, was etwas Luft für einen sichereren Fahrstil gab. | |
| Sonntagfrüh war es noch immer nass und kalt, mit ganz leichtem Regen. Leider hatte ein Fahrer auf der nassen Strecke, seine 4 Liter Motorenöl über fünf Kurven und eine Schikane verteilt. Nach fast einer Stunde Arbeit der Streckenposten, welche die Piste auf der ganzen Breite mit Oelbinder planiert hatten, ging das Warm Up weiter. Die Strecke sah jetzt aus, als ob Sie für ein Supermotard Rennen präpariert worden wäre. Glücklicherweise ist die Haftung auf diesem Oelbinderzeug nicht ganz so schlecht wie auf einem Feldweg. Die Staubentwicklung auf der mittlerweile abtrocknenden Strecke ist aber in etwa gleich. | ![]() |
| Mit ca. 45 Minuten Verspätung war mit unserer Klasse das erste von fünf Rennen angesagt. Diesen Start verpatzte Patrick Keller gründlich, da die Ampel ungewöhnlich lange nicht auf Rot ging und danach auch die ganzen möglichen fünf Sekunden bis zur Grünschaltung ausgenutzt wurden. Etwa an siebter Stelle ging er in die Schlacht dieses Tages. Da Patrick sich beim Rennen vom Samstag in die Lippen geschnitten hatte, verzichtete er heute auf ein Messer zwischen den Zähnen. Zudem ist es auch viel angenehmer ohne Messer, da man das Helmvisier ganz schliessen kann. Vom vierten Platz aus versuchte Patrick, als neutraler Beobachter mitzufahren. Natürlich ging das nicht lange gut, da er die Gefahr dieser blöden Wasserpfützen wieder unterschätzte. In einer langen Rechtskurve kam Patrick mit dem Knieschleifer in ein Pfütze an der Innenseite der Kurve. Das aufspritzende Wasser machte das Leder patschnass, was im Moment nicht zu sehr störte, da es vor dem Regen schön eingefettet wurde. Was Patrick viel mehr zu schaffen machte, war aber der Umstand, dass er sich selber Wasser aufs Hinterrad spritzte. Sofort viel die Haftung des Hinterrades wieder einem dieser vielen physikalischen Gesetzen zum Opfer. | |
| Jetzt weiss er, wie sich Randy Mamola etwa gefühlt haben muss, als er damals seinen weltberühmten Rodeoritt auf der Cagiva vollführte. Patrick weiss heute noch nicht richtig, wie er nach diesem Highsider im Sattel blieb, aber er verlor trotzdem nur einen Platz an Druschel (immer dieser Druschel). Während des Rennens versuchten zwei Kollegen, vor Patrick herfahrend das gleiche Kunststück an der genau gleichen Stelle. Vielleicht haben diese zwei T595-Reiter Mamola nicht gekannt und wussten demzufolge auch nicht, wie man sich in einer so brenzligen Situation verhalten muss. Lange Rede kurzer Sinn; beide Fahrer verabschiedeten sich ins Kiesbett und ausnahmsweise hielt sich Patrick diesmal aus dem Kieshandelgeschäft raus, nachdem er in Brünn festgestellt hatte, dass man mit Kies nicht reich werden kann. | |
| Patrick Keller versuchte nun, an Druschel auf
dem zweiten Platz fahrend dran zu bleiben. Leider hatte er das Pech immer
kurz vor dem künstlich angelegten Supermotardfeldweg (mit Oelbinder
bepflasterte Piste), auf zu überrundende Kollegen aufzuschliessen.
Da Patrick auf die Motocrossbereifung verzichten musste (die Felgen sind
zu breit) wagte er es nicht, die Ideallinie in diesem Bereich zu verlassen,
was den Abstand zum Zweitplazierten auf über sieben Sekunden vergrösserte.
Hinter ihm war eine Lücke von über 25 Sekunden entstanden, was
unseren Piloten plötzlich zum Solofahrer degradierte. Über den
erneuten dritten Platz hat sich Patrick so gefreut, wie im Jahre 1990,
als er die Prüfung für Motorräder über 125ccm bestanden
hatte, und sein Lehrnfahrschild an seiner damalige FZR abmontieren durfte.
In der Endwertung konnte sich Patrick Keller durch die drei Nuller, leider nicht mehr weiter als auf den siebten Rang in der Euro Cup-Endwertung verbessern. Zudem hatten die zwei direkt vor ihm plazierten das Glück immer zu punkten, was sich am Ende dieser Meisterschaft für sie bezahlt machte. Es hätten Patrick z.B. anstelle der Ausfälle drei 7. Plätze gereicht, um in der Meisterschaft noch den guten dritten Platz zu erreichen. Aber “that`s Race“ und am Schluss zählt auch der Spass an der Sache.Jedenfalls ist Patrick überglücklich, am Ende der Saison, wieder zur alten Form zurück gefunden zu haben. |
![]() |