Folgender Bericht des "Munot Racing Team" aus Schaffhausen (CH) beschreibt sehr engagiert die Erfahrungen von Patrick Keller bei seienr ersten Teilnahme an der Triumph-Challenge 1998. Aufgezeichnet im Febraur 2001 für das T5net. Herzlichen Dank, Team Munot+Patrick und viel Erfolg für Eure weitere Rennkarriere!
Der Anfang
Was ist der Euro Cup?
Renntraining in Hockenheim
Hockenheimring 1. und 2. Lauf
Brünn, 3. und 4. Lauf
Ostsee Usedom, 5. und 6. Lauf
Oschersleben, Finale mit dem 7. und 8. Lauf
Die Ergebnisse von Padi
Das Angebot an Patrick bestand darin für eine ganze Rennsaison eine neue T595 zur Verfügung gestellt zu bekommen. Motor und Getriebe auf Kosten von Mäge Motos und sämtliche Stürze zu Lasten des Piloten. Da konnte unser zukünftiger Racer Patrick Keller gar nicht nein sagen. Zusätzlich fand sich noch ein Sponsor für die Reifen; die Firma ZEKO welche mit der Herstellung von Präzisionsteilen beschäftigt ist. Nicht zu vergessen die vielen Freunde vom Motorradklub „Munot Racing Team“, welche unseren Patrick so gut wie möglich unterstützten.
1. TRIUMPH T500 Challenge
a) T509 Speed Triple, 900ccm (Triumph Deutschland)
b) T595 Daytona, 955ccm
2. Aprillia RS CUP
a) Aprillia RS 125 (Aprillia Deutschland)
b) Aprillia RS 250
3. DUCATI Trofeo
a) Ducati mit 2-Ventilen 88 PS
b) Ducati mit 4-Ventilen 120 PS
4. Street BEARS
a) Einzylinder British European American Racer
b) Zwei und drei Zylinder
c) Einspritzung, 4-Ventiler oder Desmodromik
5. Street SAM (auch japanische)
a) Twins bis 900ccm
b) Twins über 900ccm
c) Fours bis 900ccm
d) Fours über 900ccm
* Teilnahmeberechtigt sind Rennfahrer mit A/I oder B Lizenz oder mit DMSB Clubsportlizenz (Deutschland).
* 8 Rennläufe werden ausgetragen. Um Kosten zu sparen 2 Rennen pro Wochenende.
* Je nach Klasse sind leichte Tuningmassnahmen erlaubt. Zum Beispiel dürfen bei der Triumph T500 Challenge die Nockenwelle, Übersetzung je nach Rennstrecke und der Auspuff gewechselt werden. Die Motorräder müssen eine Racingverkleidung haben und müssen ein sauberes Erscheinungsbild aufweisen.
* Renntermine 12. – 14. Juni Hockenheimring (Lauf 1 und 2
03. - 05. Juli Brno/Tschechien (Lauf 3 und 4)
24. - 26. Juli Usedom Ost-Deutschland “neuer Austragungsort“
5. + 6. September Oschersleben/Deutschland “neuer Termin“
* Renntrainings 09. + 10. Mai Hockenheimring grosser Kurs mit Kawasaki
Deutschland
(Privat organisiert) 28. Juli - 01. August
Brno/Tschechien mit Gunti Racing Schweiz
21. - 23. August Oschersleben Deutschland mit Pro Speed
Am Freitagmorgen gab es dann leider kein so fröhliches Erwachen. Es war bitter kalt und regnerisch. Nach einem guten Frühstück, nahm unser Pilot die ersten freien Trainings in Angriff. Die Bedingungen waren am Morgen alles andere als rosig. Nach kurzen Regengüssen, trocknete die Strecke durch den Wind teilweise etwas ab. Im Bereich des Waldes auf der Querspange blieb der Belag jedoch nass. Für Patrick waren solch krasse Unterschiede, zwischen rutschig und guter Haftung auf einer einzigen Runde, recht ungewohnt.
Gegen Mittag schien dann auf einmal wieder die Sonne, was uns dann endlich
auch schnellere Rundenzeiten erlaubte. Patrick musste jetzt nach und nach
feststellen, dass die anderen Jungs von der TRIUMPH Challenge auch wissen,
dass rechts der Gasgriff ist.... Seine Hoffnungen auf einen Platz im vorderen
Drittel wurden denn auch immer kleiner, zumal er mit dem kleinen Kurs nicht
so gut wie mit dem grossen zurecht kam. Wenigstens konnte man bis am Abend
das geeignete Setup finden und freute sich auf das Zeittraining am Samstag.
Am Samstagmorgen während wir noch beim Frühstück waren
ist dann Teamchef Markus Nägeli “Mäge“ zu uns gestossen. Mäge
hatte auch zugleich gutes Wetter bei ca. 10°C mitgebracht, was natürlich
unsere Stimmung steigerte. Beim Samstagstraining lernte Patrick, wie man
mit Schulterkontakt wohlgemerkt in voller Fahrt, in eine Kurve sticht,
oder wie es sich anfühlt, in voller Schräglage den Lenker eines
anderen Motorrades mit der Schulter mitzuziehen. Es konnte ihm nur niemand
sagen, ob es gesund ist, an einem Tag so viele Adrenalinschübe nacheinander
zu erhalten. Im Zeittraining wollte Patrick sich einen schnelleren Konkurrenten
suchen, welcher ihn auf gute Zeiten ziehen würde. Aber scheinbar wussten
die Anderen von seinem Vorhaben und versteckten sich gut. Wenigstens hatte
er nicht wieder solche Kuschelübungen mit 120 km/h in der Kurve...
Beim Suchen der Mitstreiter war er auch nicht allzu langsam, was ihm den 4. Startplatz in der ersten Reihe einbrachte. Am Start waren nicht weniger als 32 Fahrer von 35 gemeldeten Fahrern. Als Gaststar war übrigens kein geringerer als Peter Öttl Vizeweltmeister 125er GP, bei uns mit am Start dabei. Beim Rennen lief eigentlich alles wunderbar. Patrick lag etwa an 5. oder 6. Stelle, als in der 6. Runde die Reifen schlagartig den Grip abbauten. Das dachte er jedenfalls zuerst, als es plötzlich in den meisten Kurven vorne und hinten anfing zu rutschen. Später lag aber auch noch in jeder 2. Kurve ein Motorrad im Kies, was nicht gerade aufmunternd wirkte. Die Streckenposten erkannten dann auch „sofort“ nach weiteren 2 bis 3 Runden, dass ein Motorrad auf der Ideallinie Öl verteilte, was zum Rennabruch führte.
Da noch nicht die Hälfte des Rennens zurückgelegt worden war, gab es nach neuem Auftanken einen Neustart mit Startaufstellung wie beim Rennabbruch. Beim zweiten Durchgang verlief es dann sogar etwas besser. Mit 1,4 Sekunden Rückstand belegte Patrick Keller im zweiten Teil des Rennens den 3. Rang. Während der Racing-Party gegen 23 Uhr traf dann noch Philipp Thalmann (Pille) mit seiner Freundin Esther bei uns ein. Nach gemütlichem Kurvengesprächen verzogen wir uns danach bald unter die Bettdecke.
Am Sonntag begrüsste uns ein grauer Himmel und der Regen liess nicht lange auf sich warten. Positiv war dafür, weiterer Besuch von Freunden vom Motorradklub „Munot Racing Team“ und der Verwandtschaft. Das 2. Rennen war auf 15.40 Uhr angesagt. Nach heftigen Regenfällen bei den anderen Klassen hofften wir natürlich auf Wetterbesserung. Mit etwas Verzögerung nach dem Lauf der 250er Klasse hörte wenigstens der Regen auf. Bei ca. 10°C, teilweise Sonne, teilweise Regentropfen, starteten wir auf der nassen Strecke. Patrick wusste bis dahin gar nicht, dass man ein Motorrad mit durchdrehendem Hinterrad über die Startgerade dirigieren kann. Jedenfalls hatte er einen lausigen Start und fand sich etwa an 7. oder 8. Stelle wieder. Nachdem er sich an den Umstand gewöhnt hatte, dass es auf der Querspange beim Wald nass blieb und im Motodrom die Strecke auf ein Meter breiten Strässchen passierbar war, konnte sich Patrick doch noch auf den 3. Schlussrang vorkämpfen. Hätte er nicht den Respekt vor dem dauernden Sliden auf den nassen Abschnitten gehabt, wäre vielleicht sogar der 2. Platz möglich gewesen. Aber lieber ein sicherer 3. Platz als keine Punkte, wie unser Titelverteidiger Uwe Kaiser, der in beiden Läufen zu Sturz kam. Peter Öttl der sich an der 2. Stelle befand, hat sich fairerweise in der letzten Runde bis auf den 8. Platz zurückfallen lassen, um nicht die Punktekämpfe zu stören.
Im Schlussklassement war Patrick Keller nun Punktemässig auf dem 3. Gesamtrang und er freue sich jetzt schon auf die nächsten zwei Rennen in Brünn. Da die zehn schnellsten Fahrer alle über beachtliche Rennerfahrung verfügen und Brünn kennen, wird es sicher nicht leicht werden. Aber das Ziel ist sicher nicht zu hoch gesteckt, wenn Patrick von 30 Startenden weiterhin unter den ersten 10 Fahrern sein möchte.
Am Donnerstagmorgen um 4.30 Uhr starteten Patrick mit seinem Bruder
Marcel (als Mechaniker) nach Brünn.. Nach nur zehn Stunden und 870
km kommen die beiden Brüder bei der vertrauten Rennstreckenanlage
an. Aber ihr Erstaunen war gross, als sie eine riesige Baustelle vorfinden.
Die gesamte Boxenanlage wurde abgerissen und neu entstehen an derer Stelle,
Formel 1 taugliche, riesige, neue Boxen. Das Wetter ist sehr wechselhaft
und der Wind macht es fast unmöglich, Zelte aufzustellen.
Endlich kommt der Freitagmorgen und damit das erste Training für
Patrick. Die Sonne scheint und etwa 18°C sind soweit auch in Ordnung.
Bei diesem Anlass bietet uns die Motorradzeitschrift „Motorrad Reisen &
Sport“ die Möglichkeit an, mit Tim Röthig als erfahrenen ehemaligen
Rennfahrer, Instruktionsfahrten durchzuführen. Da Patrick die Strecke
ja gut kennt, hat er seine Fahrwerkeinstellung und die richtige Übersetzung
des Motorrades schnell gefunden. Danach ging es dann mit immer schnelleren
Runden sehr gut voran. Selbst unser Rennfahrerinstruktor Tim findet keinen
Anlass zur Kritik an seinem Fahrstil. Im Gegenteil war Tim sehr erstaunt,
dass Patrick als ehemaliger Hobbypilot ohne grosse Erfahrung so schnell
unterwegs sein kann. Es ist noch anzumerken, dass Tim bei diesen Trainingsfahrten
mit der neuen R1 unterwegs war. Durch die grosse Baustelle im Fahrerlager
brachte der Wind viel Staub und Sand auf die Strecke, was sie etwas rutschig
machte und die Rundenzeiten damit länger als üblich wurden.
Am Samstagmorgen hätten Marcel und Patrick am liebsten alles eingepackt
und wären wieder heimgereist. Es regnete wie in Hockenheim und 11°C
erfreuen auch keinen Biker. Kurz vor dem Zeittraining am Morgen hörte
es wenigstens mit dem Regen auf. Die Strecke war jetzt aber alles andere
als schön zu fahren. Stellenweise trocken und teilweise nasse Flecken
oder Wasserrinnen, gestalteten die Sache wieder als Pokerveranstaltung.
Patrick konnte ca.drei Minuten vor dem Ende des Zeittrainings mit einer
Chaosrunde dann aber doch den 3. Startplatz von den 24 gewerteten Fahrern
herausfahren.
Die Rennen vor uns, mit den 250er Aprilias und danach die Ducati Troffeo, liefen unter leichtem Regen ab. Auf unser Rennen hin hörte der Regen auf und die Strecke trocknete, durch den Wind, an den meisten Orten ab. Natürlich blieb es in den Kurven teilweise nass, um die Sache etwas lustiger für die Zuschauer zu gestalten.
Das Rennen nahm Patrick nach der 1. Runde als 4. Fahrer mit vollem Elan in Angriff. Er fand sich nach der zweiten Runde in einem Pulk von vier Fahrern an der Spitze gut zurecht und setzte sich auch schon bald auf den dritten Platz vor. Patrick war in diesem Moment so gut unterwegs, dass er sogar die Chance sah, später den zweiten oder sogar den ersten Platz in Angriff zu nehmen. Leider waren die Lichtverhältnisse sehr schlecht und es war sehr schwierig zu sehen, wo es denn nun nass war und wo trocken. Er hatte den Eindruck, dass die anderen Jungs das auch nicht so recht sahen, da an der Spitze gefahren wurde als ob es trocken und schön warm wäre. Jedenfalls wurde unserem Piloten irgendwann dieser Umstand zum Verhängnis. Ausgangs einer Linkskurve im Karussell kam er mit dem Hinterrad auf eine nasse Stelle die er nicht gesehen hatte, was einen Highsider zur Folge hatte. Da Patrick in diesem Moment in ziemlicher Schräglage war, konnte er einen Sturz nicht mehr verhindern. Die TRIUMPH war über dieses jähe ausscheiden aus dem Rennen so böse, dass sie sich als Strafe im Kiesbett noch kräftig überschlug. Patrick ärgerte sich dazu natürlich über sich selbst und seinen etwas zu frühen Sturmdrang zur Spitze.
Von 15.00 Uhr bis um 24.00 Uhr waren Marcel und Patrick damit beschäftigt, die Maschine für das Sonntagsrennen wieder fit zu kriegen. Die Zwei wussten gar nicht, dass es an einem Motorrad so viele Teile gibt, die nur darauf warten, sich bei einem Sturz so zu verbiegen, dass ein normaler Mensch nicht mehr den ursprünglichen Zustand erkennen kann.
Am Sonntag - wie könnte es auch anders sein - begrüsste uns ein grauer Himmel bei etwa 10°C. Da es kalt und nass blieb, wurden vom Organisator alle Rennen etwas vorgezogen, um wenigstens die Heimreise etwas früher antreten zu können. Pünktlich 30 Minuten vor unserem Rennen fing es dann aber richtig an mit dem Regen. So nass hatte Patrick die Rennstrecke von Brünn noch nie gesehen. Marcel und Patrick freuten sich aber, dass es wenigstens nicht anfing zu Schneien, da sie vergessen hatten die Schneeketten einzupacken. Steif und zähneknirschend vor Kälte gingen wir wieder an den Start. Da wir jeweils nur ein Zeittraining durchführten, durfte Patrick Keller wieder seinen 3. Startplatz in der 1. Reihe einnehmen. Ziel für ihn war in diesem Rennen, unter die ersten Fünf zu kommen. Aber leider hatten wir kein einziges Training auf einer so nassen Strecke und seine Erfahrungen mit Rennen im strömenden Regen waren bis jetzt praktisch gleich null.
Der Start gelang dieses mal nicht so gut, da die Traktionskontrolle seines Hinterrades nicht funktionierte. Fragt nicht wie, aber nach der ersten Runde war er wieder auf dem vierten Platz und wunderte sich, wie man auch im Regen schnell fahren kann. Vergessen waren wieder alle Bedenken, dass man ja vielleicht auch stürzen könnte. Da Patrick nie recht wusste wo der Grenzbereich mit diesen Reifen auf einer derart nassen Strasse ist, war er auch ständig mit Rutschern und Schlenkern beschäftigt. Patrick‘s Herz war daher schon lange in die Hose gerutscht und die hinteren Fahrer nutzten diese Gelegenheit, um ihn auf den siebten Platz nach hinten zu reichen. Unerfahren und ehrgeizig wie er nun mal war, erkämpfte er sich wenigstens wieder den fünften Platz zurück. Das hätte er aber besser nicht tun sollen, denn beim Anbremsen auf die letzte Linkskurve vor der Zielgeraden rutschte das Vorderrad unverhofft zur Seite weg. Noch während Patrick selber auf der Strecke am rutschen ist, sieht er, wie sich das Motorrad mit einer eleganten Rolle ins Kiesbett verabschiedet.
Die Schäden waren dieses Mal leider noch grösser als am Samstag und vielleicht muss Patrick überlegen, ob es sich lohnen würde, einen kleinen Kieshandel aufzubauen.
Patrick Keller haben diese zwei Ausfälle zwei mal null Punkte eingebracht, was ihn in der CUP-Wertung bis auf den siebten Platz abrutschen liess. Aber an Erfahrung im Regen, hat das Wochenende trotzdem sehr viel gebracht. Weniger erfreulich waren die Schäden am Motorrad, welches an diesem Wochenende gleich zwei mal im Kiesbett lag. Hinzu kam noch, dass auf dem Heimweg das Transportfahrzeug („nie wieder Renault!“), wieder einmal den Geist teilweise aufgegeben hatte. Körperlich hält sich Patrick Keller übrigens schon die ganze Saison, mit ca. vier bis fünf Stunden Sport pro Woche fit.
Am Donnerstagmorgen um 4.45 Uhr sind Memet Sahin (als Helfer) und Patrick
nach Usedom aufgebrochen. Die Strecke von ca. 1100 km konnten die zwei
nach einem grossen Stau und zweimaligem Verfahren bei Berlin nach 16 Stunden
bewältigen. Das sogenannte Hotel war dann aber leider alles andere
als aufheiternd, da es sich im DDR-Standard präsentierte. Aber zum
Schlafen reichte es.
Für Freitag stand noch nicht viel auf dem Plan. Am Morgen sahen
Patrick und Mehmet noch zusammen den Ferienstrand von Usedom an. Am Mittag
fuhren sie dann gemütlich zum Flughafen „Heringsdorf“, zum Bezug des
Platzes im Fahrerlager. Erst um ca. 17.00 Uhr wurde der Flughafen für
den Flugverkehr gesperrt, um die Rennpiste aufzustellen. Mit Traktoren
wurden jetzt Strohballen und Kunststoffbegrenzungen aufgestellt. Um 20.00
Uhr, als es schon bald dunkel wurde, durften einige Besichtigungsrunden
gedreht werden. Patrick war in seiner ganzen Rennfahrerkarriere noch nie
so unzufrieden mit einer Strecke, wie mit dieser gewesen. Zudem befanden
sich in den Sturzzonen Beleuchtungsmasten oder Strohballen, was nicht gerade
aufmunternd wirkte. Die Strecke war alles andere als flach und an Haftung
fehlte es in den Kurven auch noch. Wenigstens war das Wetter recht gut,
was etwas über den Rest hinweg tröstete.
Am Samstag durften alle eine halbe Stunde lang trainieren und dann
war da schon das Zeittraining angesagt. Natürlich konnte unser Fahrer
in so kurzer Zeit zwar die richtige Übersetzung finden, aber die Fahrwerksabstimmung
liess zu wünschen übrig. Die meisten Fahrer (24 Triumphfahrer),
Patrick eingeschlossen, waren sehr unzufrieden über die Bedingungen
die auf dieser Flugplatzpiste herrschten. Zum Beispiel gab es keine professionellen
Streckenposten, sondern jeder Fahrer war persönlich für die Bergung
seines Fahrzeuges bei einem Sturz verantwortlich. Für den Fall, dass
sich ein Fahrer verletzt und mehr als fünf Sekunden liegen bleibt,
würde das Rennen abgebrochen, erklärte man den Piloten.
Eine optimale Linie jedenfalls fand Patrick auf diesem grossen Platz nicht und belegte im zwanzigminütigem Zeittrainig den enttäuschenden 14. Startplatz. Nach einem guten Start befand er sich etwa an achter Stelle im Rennen und kam seltsamerweise doch recht gut zurecht. Er bemühte sich nun, das Spitzenfeld von hinten aufzuholen. Leider kollidierte Patrick beim Versuch, einen Konkurrenten zu überholen, vor einer Schikane die im vierten Gang durchfahren wurde, fast mit einem Gegner. Die Streckenbegrenzungen wurde ihm anschliessend zum Verhängnis. Nach einem kurzen Rodeoritt auf der T595, warf ihn das Motorrad respektlos ab, er kam sehr unsanft auf dem Boden zu liegen und das Motorrad fuhr ohne Pilot mindestens noch 500 m weiter von der Strecke weg. In einer grossen Wiese merkte die Triumph dann wohl, dass gar kein Pilot mehr auf ihr sitze und legte sich zum Ausruhen auf die Seite.
Einzig positiv war bei diesem seltsamen Sturz, dass am Motorrad nicht viel in die Brüche ging. Dafür wurde bei Patrick, vom anwesenden Notarzt eine Knochenprellung festgestellt. Man braucht Euch nicht zu erklären, auf welchem Tiefpunkt die Stimmung jetzt war. Memet musste da ganze Arbeit leisten, um Patrick wieder aufzumuntern. Wie jeden Abend liessen wir es uns am Abend beim Griechen in Ahlbeck wenigstens kulinarisch gut gehen.
Sonntag war um 8.00 Uhr dann die obligatorische Fahrerbesprechung des Tages angesagt. Nach einem 20minütigem Warm Up, startete das Rennen bereits um 11.00 Uhr. Das heisst, es hätte starten sollen, denn hier an der Ostsee herrscht offenbar ein anderes Zeitsystem. Alle festgelegten Termine verschoben sich immer um 30 bis 60 Minuten nach hinten.. An diesem Sonntag ging es Patrick zum ersten Mal gesundheitlich nicht gerade blendend. Er konnte sich kaum noch ohne Schmerzen an seiner geprellten Hüfte bewegen. Aber glücklicherweise hat das Sitzen auf dem Bike weniger Mühe bereitet als das Gehen. Ziel für dieses sechste Rennen war nur, die schwarz-weiss-karrierte Flagge zu sehen.
Nach einem chaotischen Start, mit dem Sturz eines Fahrers mitten im Spitzenpulk in der ersten Kurve nach dem Start, begann Patrick Keller das Rennen an 11. Stelle. Nach etwa vier oder fünf Runden hatte er sich auf den siebten Platz vorgekämpft. An sechster Stelle war dann wieder dieser Kerl, der Patrick zum Sturz vom Samstag verholfen hatte. Seine innere friedlichere Stimme sagte nun, er solle lieber an dieser Stelle bleiben und nicht versuchen zu überholen. Etwa zwei Runden vor Schluss konnte Jens Mertens dieses Ausharren an dieser Position für ein Überholmanöver ausnutzen. Für einen Gegenzug war Padi in diesem Moment mit Sturzgedanken einfach zu wenig motiviert. Er dachte dauernd, nur gesund ans Ziel zu kommen. Wenigstens konnte er den achten Rang von den punkteberechtigten Fahrern ins Ziel bringen.
Nach den Rennen trat Memet den Heimweg mit seiner FZR 1000 an und Patrick
machte sich auf den Weg nach Brünn in Tschechien für ein weiteres
Training.
Leider fand Patrick in Brünn nicht zu seiner gewohnten Form zurück.
Sicher hatte das verschiedene Gründe, wie zum Beispiel die langen
Fahrzeiten mit dem Auto. Dann sind da schon einige Stürze und das
Wetter war wieder alles andere als beständig. Von Regen mit Gewittern
bis Sonne hatte diese Woche alles zu bieten. Beim ersten Sprintrennen in
der Klasse Open über 750ccm konnte Patrick von den ursprünglich
37 klassifizierten Fahrern nur den achten Rang belegen. Beim zweiten Lauf
am nächsten Tag belegte er auf der noch feuchten Piste den neunten
Rang. In der Gunti-Cup Wertung belegte Patrick am Ende den sechsten Rang.
Verglichen mit den gefahrenen Zeiten vom Vorjahr auf seiner YZF 750 hätte
Patrick in beiden Rennen unter den ersten Fünf liegen müssen.Dafür
war das Drumherum an dieser Gunti Racing Veranstaltung, die wie jedes Jahr
bravourös von Heidi Würgler und Felix Harzenmoser über die
Bühne gebracht wurde, grandios.
Zurück zum Triumph-Cup; in der Gesamtwertung lag Patrick mit wenigen Punkten Rückstand (7./42 Punkte, 8./41 Punkte) auf dem neunten Rang mit 40 Punkten. Mehr als der siebte Schlussrang lag nun ziemlich sicher nicht mehr drin, da nur noch zwei Rennen statt fanden. Bedingung dafür wäre jedoch, nicht mehr zu stürzen und immer vor den jetzt siebent- und achtplazierten T595-Treibern ins Ziel zu kommen.
Am 5. und 6. September war es dann endlich soweit. In Oschersleben fanden die letzten zwei Läufe zur T500 Euro-Cup Meisterschaft statt. Für diese Rennen konnte Patrick erfreulicherweise Oliver Badertscher (besser bekannt als Flaschi) davon überzeugen, seine Suzuki bei der Klasse Street SAM einzusetzen. Zur Erinnerung; die SAM Klasse darf mit allen seriennahen japanischen Motorrädern bestritten werden. Als Mechaniker hatten wir Marcel Keller dabei und um das leibliche Wohl war Diana Lienhard, die Freundin von Patrick besorgt.
Am Freitagmorgen um 7.45 Uhr setzte sich der kleiner Tross mit Wohnwagen,
Geländewagen als Zugfahrzeug sowie altbewährtem Renault Traffic
in Bewegung. Nachdem wir vor zwei Wochen für die Bewältigung
der lächerlichen 650 km sage und schreibe 11 Stunden benötigten,
probierten wir die dritte Wegvariante über Braunschweig, Wolfsburg
nach Oschersleben aus. Obwohl die Strecke mit ca. 750 km, länger war
als bisher, benötigten wir „nur“ noch 10 Stunden.
Am Samstag war es dann - wie es sich für englische Motorräder
gehört - kalt, feucht und regnerisch. Während drei Stunden durften
am Morgen maximal 50 Fahrer aller Klassen zum Trainieren auf die Strecke.
Auf 11.00 Uhr war dann schon das Zeittrainig für die Triumph-Treiber
angesagt. Da Patrick die Strecke schon kannte und die Motorradeinstellungen
optimal waren, konnte er auch den dritten Startplatz für das Rennen
belegen. In bester Stimmung für das Rennen konnte unser T5-Treiber
diese Position nach einem guten Start auch bis ins Ziel bringen. Zeitweise
war Patrick sogar auf dem zweiten Platz vor dem Leader Stefan Druschel
unterwegs, welcher natürlich um jeden Preis möglichst weit vorne
liegen wollte, um seinen Punktestand nicht zu gefährden. Nach den
Sturzerfahrungen in Brünn wählte Patrick in der Mitte des Rennens
dann zum Glück lieber den sicheren dritten Platz. Hinter dem vorderen
Dreierpulk klaffte nämlich eine Lücke von über acht Sekunden
zum Viertplazierten, was etwas Luft für einen sichereren Fahrstil
gab.
Sonntagfrüh war es noch immer nass und kalt, mit ganz leichtem Regen. Leider hatte ein Fahrer auf der nassen Strecke, seine 4 Liter Motorenöl über fünf Kurven und eine Schikane verteilt. Nach fast einer Stunde Arbeit der Streckenposten, welche die Piste auf der ganzen Breite mit Oelbinder planiert hatten, ging das Warm Up weiter. Die Strecke sah jetzt aus, als ob Sie für ein Supermotard Rennen präpariert worden wäre. Glücklicherweise ist die Haftung auf diesem Oelbinderzeug nicht ganz so schlecht wie auf einem Feldweg. Die Staubentwicklung auf der mittlerweile abtrocknenden Strecke ist aber in etwa gleich.
Mit ca. 45 Minuten Verspätung war mit unserer Klasse das erste von fünf Rennen angesagt. Diesen Start verpatzte Patrick Keller gründlich, da die Ampel ungewöhnlich lange nicht auf Rot ging und danach auch die ganzen möglichen fünf Sekunden bis zur Grünschaltung ausgenutzt wurden. Etwa an siebter Stelle ging er in die Schlacht dieses Tages. Da Patrick sich beim Rennen vom Samstag in die Lippen geschnitten hatte, verzichtete er heute auf ein Messer zwischen den Zähnen. Zudem ist es auch viel angenehmer ohne Messer, da man das Helmvisier ganz schliessen kann. Vom vierten Platz aus versuchte Patrick, als neutraler Beobachter mitzufahren. Natürlich ging das nicht lange gut, da er die Gefahr dieser blöden Wasserpfützen wieder unterschätzte. In einer langen Rechtskurve kam Patrick mit dem Knieschleifer in ein Pfütze an der Innenseite der Kurve. Das aufspritzende Wasser machte das Leder patschnass, was im Moment nicht zu sehr störte, da es vor dem Regen schön eingefettet wurde. Was Patrick viel mehr zu schaffen machte, war aber der Umstand, dass er sich selber Wasser aufs Hinterrad spritzte. Sofort viel die Haftung des Hinterrades wieder einem dieser vielen physikalischen Gesetzen zum Opfer.
Jetzt weiss er, wie sich Randy Mamola etwa gefühlt haben muss, als er damals seinen weltberühmten Rodeoritt auf der Cagiva vollführte. Patrick weiss heute noch nicht richtig, wie er nach diesem Highsider im Sattel blieb, aber er verlor trotzdem nur einen Platz an Druschel (immer dieser Druschel). Während des Rennens versuchten zwei Kollegen, vor Patrick herfahrend das gleiche Kunststück an der genau gleichen Stelle. Vielleicht haben diese zwei T595-Reiter Mamola nicht gekannt und wussten demzufolge auch nicht, wie man sich in einer so brenzligen Situation verhalten muss. Lange Rede kurzer Sinn; beide Fahrer verabschiedeten sich ins Kiesbett und ausnahmsweise hielt sich Patrick diesmal aus dem Kieshandelgeschäft raus, nachdem er in Brünn festgestellt hatte, dass man mit Kies nicht reich werden kann.
Patrick Keller versuchte nun, an Druschel auf dem zweiten Platz fahrend dran zu bleiben. Leider hatte er das Pech immer kurz vor dem künstlich angelegten Supermotardfeldweg (mit Oelbinder bepflasterte Piste), auf zu überrundende Kollegen aufzuschliessen. Da Patrick auf die Motocrossbereifung verzichten musste (die Felgen sind zu breit) wagte er es nicht, die Ideallinie in diesem Bereich zu verlassen, was den Abstand zum Zweitplazierten auf über sieben Sekunden vergrösserte. Hinter ihm war eine Lücke von über 25 Sekunden entstanden, was unseren Piloten plötzlich zum Solofahrer degradierte. Über den erneuten dritten Platz hat sich Patrick so gefreut, wie im Jahre 1990, als er die Prüfung für Motorräder über 125ccm bestanden hatte, und sein Lehrnfahrschild an seiner damalige FZR abmontieren durfte.
In der Endwertung konnte sich Patrick Keller durch die drei Nuller, leider nicht mehr weiter als auf den siebten Rang in der Euro Cup-Endwertung verbessern. Zudem hatten die zwei direkt vor ihm plazierten das Glück immer zu punkten, was sich am Ende dieser Meisterschaft für sie bezahlt machte. Es hätten Patrick z.B. anstelle der Ausfälle drei 7. Plätze gereicht, um in der Meisterschaft noch den guten dritten Platz zu erreichen. Aber “that`s Race“ und am Schluss zählt auch der Spass an der Sache.Jedenfalls ist Patrick überglücklich, am Ende der Saison, wieder zur alten Form zurück gefunden zu haben.