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Die Triumph-Weihnachtsgeschichte

Autor: Thomas Meyer, Motorrad Online-Forum, 7.12.2000

Wie immer um diese Zeit begab es sich, daß Santa mit seinem dichten weißen Rauschebart durch die tief verschneiten Wäder rund um Nottingham strich und sich Gedanken über die zweiradfahrende Menschheit machte. Tief in Gedanken versunken, was diese spezielle Sorte Mensch denn als liebstes Geschenk unter dem schön und festlich geschmückten Weihnachtsbaum liegen haben möge, bemerkte er gar nicht, daß er schon lange den stillen Wald verlassen hatte und sich in über weite, leicht hügelige Landschaften gen Süd-Westen wandte. Er lief an kleinen Ortschaften, verträumten einzelnen Gehöften und Grafschaften vorbei, deren Bewohner ihn in der einbrechenden Nacht, die sich um diese Jahreszeit bereits am sehr frühen Abend über das Land legte, nicht sehen konnten.

Was sollte er den Leuten zum Feste schenken?

Bei der Sorte Mensch, die sich mittels vierrädrigen motorbetriebenen Fahrzeugen fortbewegten, war es ein leichtes, Geschenke auszusuchen. Da gab es mannigfaltige Auswahl an diversen Socken, Unterhosen und Krawatten, auch über eine neue CD von André Rieu würden diese sich sehr freuen.
Aber was ist mit diesen doch recht seltsamen Menschen, die sich auf Zweiräder setzen, welche von einem Motor angetrieben bis in aberwitzigste Geschwindigkeitsregionen wagen und so gar nicht in das Raster von Santa passten? Einem Raster, dem seit Jahrzehnten (oder vielleicht sogar schon seit Jahrhunderten?) keinerlei Modernisierung zuteil wurde? Nein, da fiel Santa wirklich nichts ein.

Die Zeit wurde immer knapper, denn schon in etwas mehr als zwei Wochen war doch schon die Zeit der Bescherung gekommen!
Normale Maßstäbe anzulegen war bei diesen Menschen unmöglich. Deren Denken war bestimmt von vollkommen irrationalem Handeln und nur schwer für normale Menschen oder auch Santa zu durchschauen.

Musik? Immer ein schönes Geschenk, aber hier versagte die Plattenkiste von Santa. Von Iron Maiden oder Bon Jovi hatte diese noch nie etwas gehört.
Kleidungsstücke? Ja, eine Krawatte oder Unterhosen, das konnte die Menschen in den vierrädrigen Fortbewegungsmitteln noch zu Freudentränen verleiten, doch bei den Zweiradlern? Nein, dachte sich Santa, die haben daran keine Freude, die kleiden sich jahrein jahraus in den selben bunten oder auch ganz schwarzen unförmigen und dick auftragenden Kleidungsstücken aus Rindsleder oder seit neuerer Zeit auch seltsamen modernen Stoffen mit noch seltsameren Namen.

Heimwerker-Bedarf? Ein elektrischer Fuchsschwanz kommt doch immer gut bei den Menschen männlicher Gattung an! Doch auch dies ist nichts für einen Zweiradler, dachte sich Santa, der bereits vor Jahren beobachtet hatte, wie einer dieser seltsamen Menschen sein Zweirad mit weichen Baumwolltüchern trockenrieb und fein säuberlich die letzten Wassertropfen aus den Schraubenköpfen trocknete. Hier war ein Fuchsschwanz ein viel zu grobschlächtiges Instrument der Befriedigung des männlichen Tatendrangs.

So zog Santa immer weiter, schon sich mit dem Gedanken vertraut machend, diese Gattung Mensch als unbeschenkbar einzustufen, als er nach einem Hügel in das kleine Örtchen Market Bosworth kam. Dort waren die Menschen scheinbar alle ganz und gar so, wie diese Menschen, die sich auf zwei Rädern fortbewegten. Ihm fiel auf, daß es hier, so kurz vor Weihnachten, strahlende Gesichter gab, wohin er auch sah. Keiner der Bewohner war in Hektik, keiner der Bewohner war gereizt. Das konnte nicht sein, dachte sich Santa, waren doch seit langen Jahren die letzten Tage vor Weihnachten gezeichnet von eben diesen Erscheinungen, die diesen Menschen in Market Bosworth vollkommen abgingen! Woran das wohl lag?

So ging er an einer Garage vorbei, deren Türe nur leicht geöffnet war, jedoch weit genug, um einen Blick in diese werfen zu können. Aus der Garage kam Gelächter und Gescherze, die Menschen darin waren bester Dinge. Er bekam bei einem vorsichtigen Blick in die Garage den Vater des Hauses und seine Frau und auch seine Tochter zu Gesicht, die um eines dieser zweirädrigen Fortbewegungsmittel standen. Auf diesem saß der kleine Sohn, er mochte vielleicht gerade in die Schule gekommen zu sein, lachte und gluckste vor Freude. Statt seiner Familie hatte der Vater jedoch nur dieses Fahrzeug im Auge, peinlichst darauf bedacht, daß keine Flecken von der Schockolade, die der Sohn in der linken Hand hielt, auf das Fahrzeug kamen. Die rechte Hand des Kleinen war um die Lenkstange gefasst und bewegte sich drehend auf und ab und währenddessen gab der Kleine Geräusche von sich, die so ähnlich wie BruuuuuuummmmmmBruuuuuuuuummmmmm klangen. Alle standen darum herum und freuten sich, während der Vater noch ein kleines Fleckchen auf einem dicken, silbern glänzenden Rohr auf der rechten Seite des Fahrzeugs wegwischte.

Santa zog sich leise zurück. Sollte das der Grund für die Freude der Menschen in Market Bosworth sein? Freuten Sie sich wirklich über ein Fahrzeug, das in der Garage stand und nichts tat, als gut auszusehen (wie auch Santa bemerkte)? Nein, das wäre doch viel zu einfach! Doch er kam noch an vielen Garagen vorbei, in denen immer das gleiche vorzufinden war. Santa fiel auf, daß es sich dabei immer um andere Fahrzeuge handelte, sie waren waren gelb oder schwarz, manchmal auch rot (wobei bei den roten Fahrzeugen meist nicht eine gar so große Freude zu Tage trat), grün oder silbern. Einige waren auch ganz albern in einem seltsamen erdbeer-lila lackiert, doch hier waren meist keine Männer um das Wohl des Fahrzeugs bedacht, sondern Frauen und einmal auch ein Mann in Frauenkleidern.
Seltsam, dachte Santa. Warum sind die Menschen hier nur so glücklich?

So ging er langsam weiter und kam zu einer größeren Stadt, die er an der Westseite umrundete. Dabei musste er mehrfach an einer großen Straße entlang gehen, auf welcher ein starker Verkehr mit großen Lastkraftwagen herrschte. Mehr als einmal musste Santa sich mit einem beherzten Sprung in Sicherheit bringen, er wäre sonst glatt überfahren worden von diesen schwer beladenen Lastkraftwagen. Die Fahrer dieser Laster waren jedoch alle ganz fröhlich und fuhren seltsamerweise alle zu einem nicht sehr großen Gelände an einem Randgebiet der Stadt. Dort waren viele Menschen damit beschäftigt, diese Laster auszuladen und mit großen braunen Holz- und Pappekisten wieder zu beladen.
Was war das?

Die Zentrale der glücklichen Menschen? Eine zweite Weihnachtsmannorganisation? Er musste es herausfinden. So schlich sich Santa an einem freundlich blickenden, schwarz gekleideten Mann vorbei, der im Eingangsbreich des Geländes in einem kleinen Häuschen saß.

Jetzt wurde es spannend! In einer der großen Hallen waren viele emsige Menschen damit beschäftigt, die mannigfaltigen Einzelteile aus den gelieferten Kisten auszupacken und zu einem dieser Zweiräder zusammenzusetzen, die den Menschen in Market Bosworth so viel Freude bereitet hatten. Es waren wunderschöne Fahrzeuge und Santa bekam mit der Zeit das Gefühl, daß hier etwas ganz besonderes entstand. Er war noch ganz in Gedanken versunken, als er von einem Mann in den besten Jahren angesprochen wurde. Oh Schreck, er war ertappt! Was nun?
Doch der Mann stellte sich als John vor und erklärte dem Weihnachtsmann sehr geduldig und nett, daß hier Motorräder gebaut würden, die in alle Welt verschickt würden.

Aha, Motorräder sind das also - dachte sich Santa und ließ sich alles ganz genau erklären. Er lernte sehr vieles über Motorräder und auch über die Menschen, die diese zusammenbauten und auch selbst fuhren. Keine Spur war zu finden von den seltsam eigenbrödlerischen und wortkargen Menschen auf den Motorrädern, die er bisher gesehen hatte und die ihm so viele Gedanken über das richtige Weihnachtsgeschenk machten.
Das wäre doch das richtige Geschenk für alle zweiradfahrenden Menschen, dachte sich Santa.

Und so kam es, daß er mit einem großen Rentierschlitten, beladen mit so schönen Motorrädern aus dieser Halle, zurück in den Wald nach Nottingham fuhr und dort seine Unter-Weihnachtsmänner um sich scharte.

"Hört zu, Ihr Weihnachtsmänner aus aller Welt! Ich habe gefunden, was die Menschen auf den seltsamen zweirädrigen Motorfahrzeugen zu Weihnachten wünschen!"

Und so kam es weiterhin, daß die Weihnachtsmänner aus aller Welt sich aufmachten, die Menschen in aller Welt mit Motorrädern zu beschenken, die Santa doch so gut gefielen, daß er sich eines davon behielt und gegen seine Rentiere eintauschte.
Seitdem fährt Santa mit seiner neuen Bonneville um die Welt und erzählt allen Menschen die freudige Geschichte der Entdeckung des Motorrades durch den Weihnachtsmann.

Und wer dieses Jahr ganz brav war, den kommt der örtliche Weihnachtsmann am 24.12. zu Besuch - mit einer neuen Triumph.

Halleluja.

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